Löwen-Bilanz mit Licht und Schatten

Die Lizenz scheint gesichert. Das ist das wohl wichtigste Fazit der Bilanz für das Geschäftsjahr 2005/2006, die der TSV 1860 heute vorgestellt hat. Diese liest sich zunächst gar nicht mal so schlecht. So konnte im vergangenen Jahr ein Überschuss von 3,9 Millionen Euro erwirtschaftet werden. Dieser Gewinn ist jedoch ausschließlich dem Verkauf der Allianz-Arena-Anteile an den FC Bayern München für elf Millionen Euro zuzuschreiben. Zudem wurde eine Rücklage des Vermarkters IMG in Höhe von vier Millionen Euro aufgelöst. Aus gewöhnlicher Geschäftstätigkeit musste der Verein ein Minus von etwas über acht Millionen Euro verbuchen. Und auch für die Zukunft sieht es nicht so gut aus. So plant Geschäftsführer Dr. Stefan Ziffzer für das laufende Geschäftsjahr, das im Juni 2007 endet, mit einem Fehlbetrag von 2,8 Millionen Euro.
Der Hauptgrund für das schlechte finanzielle Abschneiden des Vereins sind die hohen Garantiezahlungen, die an die Stadiongesellschaft geleistet werden müssen. So erhöhten sich durch den Umzug die Kosten für den Spielbetrieb von 3,3 auf 10,8 Millionen Euro. Die Einnahmen konnten sich lediglich verdoppeln, womit im Gesamtergebnis immerhin um 5,1 Millionen niedrigere Transfererlöse ausgeglichen werden konnten. Zum Glück hat der Verein inzwischen nachverhandelt. Solange der TSV in der zweiten Liga spielt, sinken die Garantiezahlungen künftig deutlich. Zudem sollen bei den nur zu 20 Prozent ausgelasteten Business-Seats bis 2008/2009 zumindest die Kosten gedeckt werden. Derzeit arbeitet der TSV hier hoch defizitär, da ursprünglich mit einer Auslastung von über 60 Prozent kalkuliert worden war.
Nichtsdestotrotz geht Ziffzer laut www.tsv1860.de davon aus, dass die Liquidität, die für die DFL Hauptkriterium für die Lizenzvergabe ist, bis in die Saison 2008/2009 sichergestellt werden kann. Dringend nötig für die Sanierung der Vereinsfinanzen ist jedoch eine Kapitalerhöhung. Dabei favorisiert der Geschäftsführer entgegen anders lautender Medienberichte nicht die Ausgabe von Aktien an die Fans und Mitglieder, da dies vor Weihnachten kaum zu bewerkstelligen sei. Sein Wunschkind trägt den Namen “Private Placement”, was heißt, dass Anteile an gut betuchte Privatpersonen ausgegeben werden sollen. Theoretisch könnte die KgaA bis zu 98 Prozent ihrer Anteile auf diesem Weg veräußern. Sollte es doch zu einem Verkauf der Aktien an die Mitglieder kommen, stellt Ziffzer laut www.tsv1860.de klar: „Wenn wir den Fans sagen, ihr könnt für 100 Euro eine Aktie kaufen, versprechen wir keine Rendite oder Dividende. Es würde eine Schmuckurkunde werden, die sich der Fan an die Wand hängen kann.“
Meine Meinung: Ziffzer ist solide, und er ist ein echter Sanierer. Nur durch seinen Mut, mit Traditionen zu brechen, spielt der TSV überhaupt noch in der zweiten Liga. Auch für die Zukunft braucht einem nun nicht bange sein. Dafür spricht auch die Offenheit, mit der erstmals detailliert über alle Zahlen gesprochen wurde. Skepsis ist jedoch bei der Kapitalerhöhung angebracht. Schließlich ist es eher unwahrscheinlich, dass sich private Investoren ohne Renditeaussichten oder Mitbestimmungsrechte für den Kauf von Anteilen gewinnen lassen. Hier läuft der Verein Gefahr, die Kontrolle aus der Hand zu geben. Kann dies verhindert und trotzdem Geld an Land gezogen werden, wäre dies wohl die Rettung für den Verein. Hoffentlich, geht das gut.

September 21st, 2006 at 10:04
[…] Zusammengefasst: Die 60er haben im vergangenen Geschäftsjahr bei 22,4 Mio EUR zwar einen Überschuss von 3,9 Mio. EUR erwirtschaftet, dies wurde allerdings nur durch den Verkauf der Anteile an der Allianz-Arena erreicht. Unter dem Strich bleiben ca. 8 Mio EUR Verbindlichkeiten bei einem Eigenkapital von 506.000 EUR. […]