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3:3 gegen Rostock: Löwen ziehen mit Rösler-Tor den Kopf aus der Schlinge

Sascha Rösler war der Mann der Stunde bei 1860 gegen Rostock.

Der TSV 1860 hat mit viel, viel Glück ein 3:3-Unentschieden gegen Hansa Rostock erreicht. Eine über lange Zeit indisponierte Löwen-Mannschaft spielte weite Strecken wie ein Absteiger.

Dabei ging das auf fünf Positionen veränderte Team von Uwe Wolf nach langer Abtastphase sogar mit 1:0 in Führung. Schöner Pass von Béda auf Schäffler, der tankt sich gegen Bülow durch und vollstreckt eiskalt (20.). Doch schon bald begannen die Gäste von der Ostsee das Spiel zu dominieren, gewannen deutlich mehr Zweikämpfe und kamen zwangsläufig zu guten Chancen. Beim 1:1-Ausgleich half dann auch noch die Löwen-Abwehr fleißig mit. Eine Ecke von Retov darf Enrico Kern ungehindert einköpfen. Warum ausgerechnet Manuel Schäffler beim Goalgetter stand, wird ein Geheimnis der Löwen-Hintermannschaft (34.) bleiben.

Kurz vor dem Pausenpfiff kam es sogar noch schlimmer. Thorandt tritt im eigenen Strafraum über den Ball, Béda verstolpert gegen Fillinger, und Rukavina kommt zu spät, so dass der Rostocker problemlos zur Pausenführung einnetzen durfte (45.). Was folgte war ein gellendes Pfeifkonzert der 1860-Fans und ein kopfschüttelnder Miroslav Stevic auf dem Weg in die Kabine.

Nach dem Pausentee folgte kurzzeitig tatsächlich ein Sturmlauf des TSV, belohnt vom 2:2-Ausgleich. Ein langer Einwurf von Hoffmann, Johnson legt in die Mitte, wo Lauth nur noch einschieben muss (56.). Plötzlich war alles wieder in Ordnung, oder auch nicht. Denn auf einmal ging der Schlendrian wieder los. In Mittelfeld und Abwehr wurden keine Zweikämpfe mehr angenommen, die Stürmer wirkten komplett ausgepowert. Man gewann den Eindruck, das Trainingslager in Miesbach hatte deutliche Spuren hinterlassen - bei der Frische der Spieler.

Und Uwe Wolf? Anstatt eine frische Sturmspitze zu bringen, ließ er sich auf Diskussionen mit aufgebrachten Zuschauern auf der Haupttribüne ein. Während sein Team auf dem Platz lustlos wirkte wie ein Handwerker kurz vor der Mittagspause, polterte der Coach hilflos an der Seitenlinie. Rostock vergab unterdessen eine Chance nach der anderen. Da war es umso verwunderlicher, dass der Ball plötzlich im Netz der Gäste zappelte. Schäffler hatte eine Ledgerwood-Flanke zum Jubel der Fans eingeköpft. Einziges Problem: Der Jungspund stand Zentimeter im Abseits. Es war zum aus der Haut fahren, für Spieler, Fans und das Trainergespann (84.).

Im direkten Gegenzug der Super-GAU: Der bis dahin herausragende Philipp Tschauner verschätzt sich bei einer Flanke von Fillinger komplett, Kern ist zur Stelle und köpft zum 2:3 ein (85.). Und plötzlich bringt Wolf doch noch eine Offensivkraft. Sascha Rösler, zuletzt auf “Kur” am Chiemsee, durfte sich noch fünf Minuten bewähren - und die hatten es in sich. Ein kleiner Zusammenprall, ein geschenkter Freistoß, ein perfekt gezirkelter Schuss, und da ist es plötzlich der Rückkehrer aus Mönchengladbach, der wie von der Tarantel gestochen losläuft und den leuchtenden Joghurtbecher an der Seitenlinie umtritt. Rösler hatte in der letzten Minute der Nachspielzeit tatsächlich per Freistoß das 3:3 erzielt. Was für ein schönes Tor, durch das 1860 zumindest einen Punkt in München behält.

Verdient war der Punkt nicht, aber sehr wichtig. Denn zeitgleich gewann Osnabrück gegen Aachen und machte zwei Punkte gut auf die Löwen. Zumindest bis zum Sonntag haben sie noch drei Punkte Vorsprung auf den Relegationsplatz. Am Dienstag bei Sicher-Absteiger SV Wehen-Wiesbaden geht es um 17.30 Uhr nun fast schon um alles für die Löwen.

Meine Meinung: Kaum zu glauben, dass das Team trotz schrecklicher taktischer Ausrichtung, null Frische und mangelnder Einstellung doch noch ein Unentschieden zustande brachte. Das Spiel heute war wie schon in Augsburg ein Offenbarungseid. Die Frage ist, was sich bis Dienstag noch ändern lässt. Frischer werden Lauth, Schäffler & Co. sicher nicht mehr. Das Team geht auf dem Zahnfleisch, da kommt die englische Woche nicht gerade gelegen. Im Abstiegskampf kann das tödlich sein.

Aufstellung 1860: 12 Tschauner - 2 Rukavina, 16 Thorandt, 19 Ghvinianidze, 4 Hoffmann - 6 Beda, 22 L. Bender - 15 Aigner, 33 Johnson - 11 Lauth, 27 Schäffler.
Ersatz: 29 Krauss (Tor) - 3 Schick, 8 D. Schwarz, 10 Rösler, 14 Holebas, 24 Gulan, 25 Ledgerwood.

Aufstellung Rostock: 21 Hahnel - 35 Schöneberg, 31 Bülow, 4 Orestes, 18 Oczipka - 14 Svärd, 6 Retov - 20 Schindler, 13 Fillinger - 9 Kern, 27 Bartels.
Ersatz: 37 Kerner (Tor) - 2 Langen, 7 Dorn, 8 Lisztes, 19 Buschke, 28 Gledson, 32 Kroos.

Wechsel: D. Schwarz für L. Bender (46.), Ledgerwood für Aigner (75.), Rösler für Thorandt (87.) - Dorn für Bartels (70.), Gledson für Kern (90.).

Tore: 1:0 Schäffler (19.), 1:1 Kern (34.), 1:2 Fillinger (45.), 2:2 Lauth (56.), 2:3 Kern (85.), 3:3 Rösler (90.).

Gelbe Karte: -, Svärd.
Zuschauer: 24.400 in der Allianz Arena.
Schiedsrichter: Lutz Wagner (Kriftel); Assistenten: Thorsten Joerend (Lübbecke), Karl-Markus Schumacher (Oberhausen).

(Quelle: www.tsv1860.de)

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