1:1 gegen Aachen: Löwen feiern Klassenerhalt - aber wie…

Der TSV 1860 konnte nach einem 1:1 gegen Alemannia Aachen heute den Klassenerhalt feiern. 33.600 Zuschauer in der Allianz-Arena sahen einen engagierten und hoch turbulenten Auftritt der Löwen.
Sechzig war zu Beginn an das aktivere Team. Die erstmals von Ewald Lienen betreute Truppe spielte auf Sieg, das merkte man schnell. Dennoch mussten bis zur ersten Chance 25 Minuten vergehen. Markus Thorandt köpfte einen Eckball knapp neben das Tor. Drei Minuten später prüft Manuel Schäffler den Aachener Keeper Stuckmann aus 25 Metern, doch der Torwart kann zur Ecke klären.
Folgerichtig nach dem Löwen-Sturmlauf: Die 1:0-Führung. Béda schickt Johnson auf der rechten Seite, der zieht eine Flanke perfekt zu Holebas in den Strafraum. Der Ball kommt perfekt zu Benny Lauth, der muss nur noch einnetzen. Es war schon sein 14. Treffer in dieser Saison - persönlicher Rekord - und die ganze Arena singt “Let’s get Lauth!”
Doch die Gäste wurden vom Gegentreffer geradezu wachgerüttelt und übernahmen nun immer mehr das Kommando. Und 1860 half ordentlich mit. Eine Flanke von Polenz köpft Torben Hoffmann brandgefährlich neben den Pfosten des eigenen Tores (38.). Bei der folgenden Ecke hatte Auer den Ausgleich auf dem Kopf, hätte nicht Antonio Rukavina auf der Linie geklärt. Kurz vor der Pause hatte 1860 erneut Glück: Holtby köpft eine Ecke knapp neben das Tor (44.). So langsam wurde die Führung schmeichelhaft.
Und Aachen blieb gefährlich - Junglas lässt Holebas stehen und trifft aus halbrechts nur den Außenpfosten (52.). Auf der anderen Seite legt Schäffler auf Holebas, der ans Außennetz schießt (63.). Von nun an spielte nur noch die Alemannia. Sechzig stand immer tiefer, hatte jedoch lange Glück, dass Aachen seine Chancen nicht konsequent zu Ende spielte. Kurz vor Schluss aber doch noch der Ausgleich: Nach einem langen Ball in den Strafraum ist Hoffmann gegen den eingewechselten Oussalé nicht konsequent genug, Thorandt lässt Joker Daun gewähren, den Tschauner im Strafraum zu Fall bringt. Schiedsrichter Kempter pfeift Elfmeter - und entscheidet sich zwei Sekunden später um, da Auer den Ball doch noch im Tor des TSV unterbrachte (83.) - 1:1. Eine interessante Vorteilsauslegung.
Was folgte war ein wildes Anrennen der Löwen, die plötzlich wieder konsequent auf Sieg spielten. Doch einige strittige Schiedsrichterentscheidungen, eine Riesenchance, die Schäffler mangels Übersicht vorzeitig zunichte machte, und eine hitzige fünfminütige Nachspielzeit später stand fest: “Wir haben’s geschafft!”. Die Stimme gehörte Stadionsprecher Stefan Schneider. Der hatte den Blick stets auf den Ergebnissen auf den anderen Plätzen - in der Arena war über die gesamte Spielzeit davon nichts zu sehen, um die Spieler nicht aus der Konzentration zu bringen.
Nun aber stand fest: 1860 hält die Klasse, weil Osnabrück nur 2:2 gegen Rot-Weiß Ahlen spielte. Die Löwen sind weiter Zwölfter, haben drei Punkte und 15 Tore Vorsprung vor den Lila-Weißen und können damit für ein weiteres Jahr in Liga zwei planen.
“Das war ein hartes Stück Arbeit”, gab Trainer Ewald Lienen nach dem Spiel zu. Er lobt jedoch “die richtige Einstellung der Spieler von Beginn an” und dass sie “alles gegeben haben bis zur Erschöpfung”. Zwar sei man im zweiten Durchgang “immer mehr unter Druck geraten”, insgesamt ist der Coach jedoch zufrieden, “wenn man die Vorgeschichte berücksichtigt”. Gemeint sind nun schon zehn Spiele ohne Sieg und ein nicht gerade großes Selbstbewusstsein der Spieler. Für die nächste Spielzeit will Lienen das Wort Aufstieg noch nicht in den Mund nehmen, sondern “eine Mannschaft aufbauen, die so stark wie irgend möglich ist”. Auf seine berühmten Zettel hat der Coach übrigens wenig geschrieben. “Ich hatte gar keine Zeit, weil so viel Theater war auf dem Platz.”
Meine Meinung: Gut, dass die Saison jetzt gelaufen ist - sonst müssten bald viele Löwenfans zum Herzarzt. Berühmt war die Leistung heute, vor allem im zweiten Durchgang, sicher nicht. Doch endlich hatte man als Fan wieder den Eindruck, das Team kämpfe vom Anfang bis zum Schluss. Jetzt gilt es, die Saison in Ruhe aufzuarbeiten und eine schlagkräftige Truppe zusammenzustellen. Schließlich soll 1860 nächstes Jahr nicht mehr im Abstiegskampf versumpfen.
Aufstellung 1860: 12 Tschauner - 2 Rukavina, 16 Thorandt, 4 Hoffmann, 26 Baumgartlinger - 25 Ledgerwood, 6 Beda - 14 Holebas, 33 Johnson - 11 Lauth, 27 Schäffler.
Ersatz: 1 Hofmann (Tor) - 8 D. Schwarz, 10 Rösler, 13 Jungwirth, 20 Burkhard, 24 Gulan, 37 Mlapa.
Aufstellung Aachen: 12 Stuckmann - 6 Polenz, 28 Casper, 30 Szukala, 32 Achenbach - 16 Müller, 20 Lehmann, 21 Fiel, 26 Milchraum - 18 Holtby, 9 Auer.
Ersatz: 1 Straub (Tor) - 4 Vukovic, 5 Lagerblom, 11 Daun, 23 Oussalé, 25 Junglas, 29 Seitz.
Wechsel: Rösler für Lauth (76.), Gulan für Johnson (86.), Mlapa für Schäffler (90.) - Junglas für Müller (31.), Daun für Milchraum (62), Oussalé für Fiel (73.).
Tore: 1:0 Lauth (33.), 1:1 Auer (83.).
Gelbe Karten: Thorandt, Rösler, Schäffler - Casper, Junglas, Holtby.
Zuschauer: 33.600 in der Allianz Arena.
Schiedsrichter: Robert Kempter (Sauldorf); Assistenten: Robert Kampka (Mainz), Thomas Münch (Rielasingen).
(Quelle: www.tsv1860.de)



